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Es reicht!

Es reicht! sagt jetzt Monika Schmitter, Obermeisterin der Friseurinnung Düsseldorf und ruft Deutschlands Friseure auf, zusammenzurücken.

Zusammen mit der Wertegemeinschaft „Der faire Salon“ startet die Düsseldorfer Innung eine Kampagne deren Ziel ist es, einmal auf die Dringlichkeit einiger Problematiken hinzuweisen und diese Öffentlich zu machen, um auch die Verantwortlichen wachzurütteln.

2019-07-22 16:52:08 Es,reicht,sagt,jetzt,Monika,Schmitter,Obermeisterin,Friseurinnung,Düsseldorf,ruft,Deutschlands,Friseure,zusammenzurücken True

Es reicht!

Die Situation im Friseurhandwerk ist belastet von einem harten Verdrängungswettbewerb, Preiskampf und staatlich unterstützter Wettbewerbsverzerrung. Wie alle bargeldintensiven Branchen, stehen auch die Friseure unter ständiger Beobachtung der Finanzbehörden. Zu den rund 55.000 steuerzahlenden Friseurunternehmen (mit über 87.000 Betriebsstätten) gesellen sich weitere 25.000 Salons, die steuerbefreit sind und den Wettbewerb verzerren. (* 1

Über 60% der steuerzahlenden Unternehmen kommen über einen Umsatz von 100.000 € nicht hinaus, die Folge sind Jahresgewinne / Unternehmereinkünfte unterhalb von 10.000 €. (* 2

Die Zahl der Betriebsstätten ist explodiert, durch verfehlte Fördermaßnahmen, auch durch zu viele und leichtfertig vergebene Ausnahmegenehmigungen. Durch nicht legalisierte Tätigkeiten und Schwarzarbeit geht zusätzlicher Umsatz verloren.

Konnte eine Vollkraft vor 20 Jahren pro Tag noch 5,9 Kundinnen behandeln, so waren es 2018 nur noch 3,7 Kundinnen pro Tag. Noch drastischer im Herrenbereich: hier sank die Kundenzahl pro Vollkraft im gleichen Zeitraum von 11,9 auf 3,2 (* 3

Auch die problematische Mitarbeitersituation wirft Fragen auf: in Düsseldorf suchen so gut wie alle Betriebe händeringend Mitarbeiter, dabei waren zum 1.7.2019 stolze 445 arbeitslose und arbeitssuchende Friseure/innen bei der Agentur gemeldet! Ohne das etwas passiert.

Ähnlich Arges in Sachen Bildungspolitik, die Forcierung zur Akademisierung ist bekannt, aber warum werden von der Berufsberatung regelmäßig die schwächsten Schulabgänger ins Friseurhandwerk vermittelt?

In der Schweiz und in Österreich gab es in der Vergangenheit ähnliche Missstände, aktuell zeigt sich: dort stattfindende Kontrollen mit Zoll, Ordnungsamt und Finanzbehörden verzeichnen Trefferquoten nahe der 100% Marke. Bei uns führen fehlende Kontrollen in allen Bereichen immer noch zu weiterem Missbrauch, damit sollte Schluss sein, so die Forderung unter www.friseure-fordern-fairness.de

Die Hintergründe

Von der Öffentlichkeit fast unbemerkt, hat sich im Friseurhandwerk in den letzten 20 Jahren ein erschreckender Wandel vollzogen. Es begann zur Jahrtausendwende mit einer repräsentativen Verbraucherumfrage des IKW (* 4 Diese Studie deckte schonungslos Mängel auf, die 1998/99 zur Stagnation der Umsatzzahlen im Friseurhandwerk geführt hatten.

  • Zum einen hatten die Friseure Konkurrenz aus benachbarten Branchen bekommen. Freizeit, Technik und Wohnen waren wachsende Märkte, - während es Unzufriedenheit beim Friseurbesuch gab.
  • 59 % der Verbraucher bemängelten das Ergebnis des Friseurbesuchs (Frisurenstyling)
  • 69 % der Kunden forderten Preistransparenz beim Friseur und klare Preisangaben.

Es reicht!

Die nachfolgend, über drei Jahre angelegte, Imagekampagne „Friseur in Action“ stieß bei den Friseuren auf wenig Resonanz, es änderte sich kaum etwas. Gedanken machten sich andere: findige Kaufleute schufen neue Friseurangebote

Auf die, ohnehin in der Kritik stehende, Dienstleistung Styling (aufdrehen oder föhnen) wurde verzichtet. Ab sofort mussten Kunden ihre Haare selbst föhnen. Der hierdurch reduzierte Preis lockte die Kunden vom bisherigen Stammfriseur in die neuen Discountbetriebe. Viele Kunden kündigten Ihren Stammfriseuren nach der Einführung des Euro die Treue, weil vielfach eine dringend notwendige Preisangleichung in die Umrechnung zum Euro integriert wurde ohne dieses zu kommunizieren.

Die Zahl der Discounter wuchs rasant, was bedeutet, dass der einzelne Friseursalon (und das traf die herkömmlichen Friseure) immer weniger Kunden zur Verfügung hatte. Ihnen fehlte plötzlich der notwendige Umsatz. Notgedrungen mussten Mitarbeiter freigestellt werden.

Es reicht!

Fakten für den Zeitraum 2000 bis 2009

19.5% Umsatzverlust führten zu einem Rückgang von 22,6 % Rückgang der Beschäftigten. Zeitgleich drängten 22,5 % neue Salons in den schrumpfenden Markt

In den Jahren von 2000 bis 2009 wurden22,6% der Mitarbeiter freigestellt, was bedeutet, das geschätzte 45.000 Friseur/innen arbeitslos wurden. (ausgehend von der letzten Handwerkszählung 1996 mit 256.000 Vollzeitbeschäftigten)

Die „Agentur für Arbeit“ reagierte mit Fördermaßnahmen in Form von finanziellen Hilfen zur Existenzgründung und ICH-AG’s. So kam es zu der fatalen Situation, dass trotz des dramatischen Umsatzrückgangs in dieser Zeit, 22,5% neue Betriebe in den Markt gedrängt wurden.

Es reicht!

Ein wirtschaftliches Schreckensszenario, welches bis heute anhält, wie der Betriebsvergleich Wella Eva Paneel deutlich zeigt:

  1998 2018
Betriebsstätten im Friseurhandwerk 63.427 80.874
Durchschnittliche Kundenzahl pro rechnerischer Vollkraft / Tag (Damen) 5,9 3,7
Durchschnittliche Kundenzahl pro rechnerischer Vollkraft / Tag (Herren) 11,9 3,2
Gewinn (vor Steuer) alle Betriebsgrößen 1999 19,9 % 17,8 %

Trotz deutlich gestiegener Kosten (besonders im Personal und Energiesektor) sind die Umsätze in diesen zwei Jahrzehnten von 19,9 auf 17,8 % gesunken. Das wird im Detail tragisch.

34.410 der steuerzahlenden Friseurunternehmen kommen lt. EVA Betriebsvergleich nicht über einen Jahresumsatz von 100.000 € hinaus. Die Verteilung der Umsatzgröße ist wie folgt: (Quelle: Wella / Coty)

Es reicht!

Im Klartext: diese über 60 % der Unternehmer müssen sich zudem mit mageren 9,3 % Gewinn zufriedengeben. Das bedeutet für den Unternehmer einen Bruttolohn, der deutlich hinter dem, der Mitarbeiter zurückbleibt.

Es reicht!

 

Es stellt sich die Frage: wie soll das weitergehen?

Selten haben sich so tolle Perspektiven für jungen Menschen im Friseurmarkt eröffnet, wie zur Zeit. Auf Grund der Nachfrage steigen die Löhne, der Verbrauchertrend marschiert in Richtung Wohlfühlen, Wellness und Schönheit, das Friseurhandwerk braucht viele junge Menschen und will diese auch gut bezahlen. Dieses ist mit solchen Umsätzen nicht realisierbar.

Die Ergebnisse der Unternehmen sind geprägt durch Preiskampf, verzerrten Wettbewerb und zu viele Betriebe, die zudem unfair und nicht gesetzeskonform im Markt agieren. Eine gesunde Entwicklung ist SO nicht möglich.

„Die 10,- € Friseure leben ja auch“, entgegnen viele Verbraucher und vermuten Preiswucher auf der Gegenseite. Fakt ist: Friseurbetriebe sind Handwerksbetriebe, die mit einem Stundensatz von unter 50-60 € wirtschaftlich nicht überleben können. Letztlich ist es egal, wie diese 60 € pro Stunde in die Kasse kommen, mit 2 Kunden a 30 € oder mit 6 Kunden a 10,- €.

Mitarbeiter in Discountbetrieben klagen immer wieder über Massenabfertigung, über Burn Out und unzumutbare Arbeitsbedingungen. Die preiswerten Dienstleistungen sind den Erfordernissen zum Kosten sparen angepasst. Mitarbeiter besuchen „Schnell-Schnitt-Kurse“ oder beherrschen nur eine kleine Anzahl vorgegebener Haarschnitte. Tätigkeiten, die mehr Beratung oder Zeitaufwand erfordern, werden gar nicht erst angeboten.

Während im herkömmlichen Salon die Typoptimierung des Menschen im Zenit der Arbeit steht, ist es im Discountbereich der Druck, mit kleinen Preisen ebenso viel erwirtschaften zu müssen wie die etwas höherpreisigen Mitbewerber.

Trotz dieses harten Verdrängungswettbewerbes wachsen ständig neue Salons wie Pilze aus dem Boden, vielfach mit Ausnahmegenehmigungen, die nicht einmal mehr den gesetzlich verlangten Meister im Salon erfordern.

Branchenkenner reden von chaotischen Zuständen, von immer mehr unterlaufenen Regelungen und Gesetzesverstößen. Im Friseur Handwerk herrschen langsam anarchistische Zustände. Es fallen Salons auf, die nicht einmal eine Gewerbeerlaubnis besitzen, keinen Meister haben und Mitarbeiter, die nicht gemeldet sind. Bei der HWK gemeldet wird der Betrieb angeschrieben und beschafft sich einen Meister (auf dem Papier) und darf weitermachen. Das zuvor über langen Zeitraum keinerlei Steuern und Sozialabgaben abgeführt aber Straftatbestände erfüllt wurden, das interessiert niemand – nicht einmal das Finanzamt.

 

(* 1 Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks
( *2 Wella EVA Betriebsvergleich 2019
(* 3 Wella EVA Betriebsvergleich 2019 / EVA Basic 1998/1999 bis 2001
(* 4 Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel e. V.
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Zusammen mit der Wertegemeinschaft „Der faire Salon“ startet die Düsseldorfer Innung eine Kampagne deren Ziel ist es, einmal auf die Dringlichkeit einiger Problematiken hinzuweisen und diese Öffentlich zu machen, um auch die Verantwortlichen wachzurütteln.

Es reicht!

Die Situation im Friseurhandwerk ist belastet von einem harten Verdrängungswettbewerb, Preiskampf und staatlich unterstützter Wettbewerbsverzerrung. Wie alle bargeldintensiven Branchen, stehen auch die Friseure unter ständiger Beobachtung der Finanzbehörden. Zu den rund 55.000 steuerzahlenden Friseurunternehmen (mit über 87.000 Betriebsstätten) gesellen sich weitere 25.000 Salons, die steuerbefreit sind und den Wettbewerb verzerren. (* 1

Über 60% der steuerzahlenden Unternehmen kommen über einen Umsatz von 100.000 € nicht hinaus, die Folge sind Jahresgewinne / Unternehmereinkünfte unterhalb von 10.000 €. (* 2

Die Zahl der Betriebsstätten ist explodiert, durch verfehlte Fördermaßnahmen, auch durch zu viele und leichtfertig vergebene Ausnahmegenehmigungen. Durch nicht legalisierte Tätigkeiten und Schwarzarbeit geht zusätzlicher Umsatz verloren.

Konnte eine Vollkraft vor 20 Jahren pro Tag noch 5,9 Kundinnen behandeln, so waren es 2018 nur noch 3,7 Kundinnen pro Tag. Noch drastischer im Herrenbereich: hier sank die Kundenzahl pro Vollkraft im gleichen Zeitraum von 11,9 auf 3,2 (* 3

Auch die problematische Mitarbeitersituation wirft Fragen auf: in Düsseldorf suchen so gut wie alle Betriebe händeringend Mitarbeiter, dabei waren zum 1.7.2019 stolze 445 arbeitslose und arbeitssuchende Friseure/innen bei der Agentur gemeldet! Ohne das etwas passiert.

Ähnlich Arges in Sachen Bildungspolitik, die Forcierung zur Akademisierung ist bekannt, aber warum werden von der Berufsberatung regelmäßig die schwächsten Schulabgänger ins Friseurhandwerk vermittelt?

In der Schweiz und in Österreich gab es in der Vergangenheit ähnliche Missstände, aktuell zeigt sich: dort stattfindende Kontrollen mit Zoll, Ordnungsamt und Finanzbehörden verzeichnen Trefferquoten nahe der 100% Marke. Bei uns führen fehlende Kontrollen in allen Bereichen immer noch zu weiterem Missbrauch, damit sollte Schluss sein, so die Forderung unter www.friseure-fordern-fairness.de

Die Hintergründe

Von der Öffentlichkeit fast unbemerkt, hat sich im Friseurhandwerk in den letzten 20 Jahren ein erschreckender Wandel vollzogen. Es begann zur Jahrtausendwende mit einer repräsentativen Verbraucherumfrage des IKW (* 4 Diese Studie deckte schonungslos Mängel auf, die 1998/99 zur Stagnation der Umsatzzahlen im Friseurhandwerk geführt hatten.

  • Zum einen hatten die Friseure Konkurrenz aus benachbarten Branchen bekommen. Freizeit, Technik und Wohnen waren wachsende Märkte, - während es Unzufriedenheit beim Friseurbesuch gab.
  • 59 % der Verbraucher bemängelten das Ergebnis des Friseurbesuchs (Frisurenstyling)
  • 69 % der Kunden forderten Preistransparenz beim Friseur und klare Preisangaben.

Es reicht!

Die nachfolgend, über drei Jahre angelegte, Imagekampagne „Friseur in Action“ stieß bei den Friseuren auf wenig Resonanz, es änderte sich kaum etwas. Gedanken machten sich andere: findige Kaufleute schufen neue Friseurangebote

Auf die, ohnehin in der Kritik stehende, Dienstleistung Styling (aufdrehen oder föhnen) wurde verzichtet. Ab sofort mussten Kunden ihre Haare selbst föhnen. Der hierdurch reduzierte Preis lockte die Kunden vom bisherigen Stammfriseur in die neuen Discountbetriebe. Viele Kunden kündigten Ihren Stammfriseuren nach der Einführung des Euro die Treue, weil vielfach eine dringend notwendige Preisangleichung in die Umrechnung zum Euro integriert wurde ohne dieses zu kommunizieren.

Die Zahl der Discounter wuchs rasant, was bedeutet, dass der einzelne Friseursalon (und das traf die herkömmlichen Friseure) immer weniger Kunden zur Verfügung hatte. Ihnen fehlte plötzlich der notwendige Umsatz. Notgedrungen mussten Mitarbeiter freigestellt werden.

Es reicht!

Fakten für den Zeitraum 2000 bis 2009

19.5% Umsatzverlust führten zu einem Rückgang von 22,6 % Rückgang der Beschäftigten. Zeitgleich drängten 22,5 % neue Salons in den schrumpfenden Markt

In den Jahren von 2000 bis 2009 wurden22,6% der Mitarbeiter freigestellt, was bedeutet, das geschätzte 45.000 Friseur/innen arbeitslos wurden. (ausgehend von der letzten Handwerkszählung 1996 mit 256.000 Vollzeitbeschäftigten)

Die „Agentur für Arbeit“ reagierte mit Fördermaßnahmen in Form von finanziellen Hilfen zur Existenzgründung und ICH-AG’s. So kam es zu der fatalen Situation, dass trotz des dramatischen Umsatzrückgangs in dieser Zeit, 22,5% neue Betriebe in den Markt gedrängt wurden.

Es reicht!

Ein wirtschaftliches Schreckensszenario, welches bis heute anhält, wie der Betriebsvergleich Wella Eva Paneel deutlich zeigt:

  1998 2018
Betriebsstätten im Friseurhandwerk 63.427 80.874
Durchschnittliche Kundenzahl pro rechnerischer Vollkraft / Tag (Damen) 5,9 3,7
Durchschnittliche Kundenzahl pro rechnerischer Vollkraft / Tag (Herren) 11,9 3,2
Gewinn (vor Steuer) alle Betriebsgrößen 1999 19,9 % 17,8 %

Trotz deutlich gestiegener Kosten (besonders im Personal und Energiesektor) sind die Umsätze in diesen zwei Jahrzehnten von 19,9 auf 17,8 % gesunken. Das wird im Detail tragisch.

34.410 der steuerzahlenden Friseurunternehmen kommen lt. EVA Betriebsvergleich nicht über einen Jahresumsatz von 100.000 € hinaus. Die Verteilung der Umsatzgröße ist wie folgt: (Quelle: Wella / Coty)

Es reicht!

Im Klartext: diese über 60 % der Unternehmer müssen sich zudem mit mageren 9,3 % Gewinn zufriedengeben. Das bedeutet für den Unternehmer einen Bruttolohn, der deutlich hinter dem, der Mitarbeiter zurückbleibt.

Es reicht!

 

Es stellt sich die Frage: wie soll das weitergehen?

Selten haben sich so tolle Perspektiven für jungen Menschen im Friseurmarkt eröffnet, wie zur Zeit. Auf Grund der Nachfrage steigen die Löhne, der Verbrauchertrend marschiert in Richtung Wohlfühlen, Wellness und Schönheit, das Friseurhandwerk braucht viele junge Menschen und will diese auch gut bezahlen. Dieses ist mit solchen Umsätzen nicht realisierbar.

Die Ergebnisse der Unternehmen sind geprägt durch Preiskampf, verzerrten Wettbewerb und zu viele Betriebe, die zudem unfair und nicht gesetzeskonform im Markt agieren. Eine gesunde Entwicklung ist SO nicht möglich.

„Die 10,- € Friseure leben ja auch“, entgegnen viele Verbraucher und vermuten Preiswucher auf der Gegenseite. Fakt ist: Friseurbetriebe sind Handwerksbetriebe, die mit einem Stundensatz von unter 50-60 € wirtschaftlich nicht überleben können. Letztlich ist es egal, wie diese 60 € pro Stunde in die Kasse kommen, mit 2 Kunden a 30 € oder mit 6 Kunden a 10,- €.

Mitarbeiter in Discountbetrieben klagen immer wieder über Massenabfertigung, über Burn Out und unzumutbare Arbeitsbedingungen. Die preiswerten Dienstleistungen sind den Erfordernissen zum Kosten sparen angepasst. Mitarbeiter besuchen „Schnell-Schnitt-Kurse“ oder beherrschen nur eine kleine Anzahl vorgegebener Haarschnitte. Tätigkeiten, die mehr Beratung oder Zeitaufwand erfordern, werden gar nicht erst angeboten.

Während im herkömmlichen Salon die Typoptimierung des Menschen im Zenit der Arbeit steht, ist es im Discountbereich der Druck, mit kleinen Preisen ebenso viel erwirtschaften zu müssen wie die etwas höherpreisigen Mitbewerber.

Trotz dieses harten Verdrängungswettbewerbes wachsen ständig neue Salons wie Pilze aus dem Boden, vielfach mit Ausnahmegenehmigungen, die nicht einmal mehr den gesetzlich verlangten Meister im Salon erfordern.

Branchenkenner reden von chaotischen Zuständen, von immer mehr unterlaufenen Regelungen und Gesetzesverstößen. Im Friseur Handwerk herrschen langsam anarchistische Zustände. Es fallen Salons auf, die nicht einmal eine Gewerbeerlaubnis besitzen, keinen Meister haben und Mitarbeiter, die nicht gemeldet sind. Bei der HWK gemeldet wird der Betrieb angeschrieben und beschafft sich einen Meister (auf dem Papier) und darf weitermachen. Das zuvor über langen Zeitraum keinerlei Steuern und Sozialabgaben abgeführt aber Straftatbestände erfüllt wurden, das interessiert niemand – nicht einmal das Finanzamt.

 

(* 1 Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks
( *2 Wella EVA Betriebsvergleich 2019
(* 3 Wella EVA Betriebsvergleich 2019 / EVA Basic 1998/1999 bis 2001
(* 4 Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel e. V.
7 - Es reicht! 7 - Es reicht! 7 - Es reicht! 7 - Es reicht! 7 - Es reicht! 7 - Es reicht! 7 - Es reicht!
 
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sagt jetzt Monika Schmitter, Obermeisterin der Friseurinnung Düsseldorf und ruft Deutschlands Friseure auf, zusammenzurücken.

Zusammen mit der Wertegemeinschaft „Der faire Salon“ startet die Düsseldorfer Innung eine Kampagne deren Ziel ist es, einmal auf die Dringlichkeit einiger Problematiken hinzuweisen und diese Öffentlich zu machen, um auch die Verantwortlichen wachzurütteln.

Es reicht!

Die Situation im Friseurhandwerk ist belastet von einem harten Verdrängungswettbewerb, Preiskampf und staatlich unterstützter Wettbewerbsverzerrung. Wie alle bargeldintensiven Branchen, stehen auch die Friseure unter ständiger Beobachtung der Finanzbehörden. Zu den rund 55.000 steuerzahlenden Friseurunternehmen (mit über 87.000 Betriebsstätten) gesellen sich weitere 25.000 Salons, die steuerbefreit sind und den Wettbewerb verzerren. (* 1

Über 60% der steuerzahlenden Unternehmen kommen über einen Umsatz von 100.000 € nicht hinaus, die Folge sind Jahresgewinne / Unternehmereinkünfte unterhalb von 10.000 €. (* 2

Die Zahl der Betriebsstätten ist explodiert, durch verfehlte Fördermaßnahmen, auch durch zu viele und leichtfertig vergebene Ausnahmegenehmigungen. Durch nicht legalisierte Tätigkeiten und Schwarzarbeit geht zusätzlicher Umsatz verloren.

Konnte eine Vollkraft vor 20 Jahren pro Tag noch 5,9 Kundinnen behandeln, so waren es 2018 nur noch 3,7 Kundinnen pro Tag. Noch drastischer im Herrenbereich: hier sank die Kundenzahl pro Vollkraft im gleichen Zeitraum von 11,9 auf 3,2 (* 3

Auch die problematische Mitarbeitersituation wirft Fragen auf: in Düsseldorf suchen so gut wie alle Betriebe händeringend Mitarbeiter, dabei waren zum 1.7.2019 stolze 445 arbeitslose und arbeitssuchende Friseure/innen bei der Agentur gemeldet! Ohne das etwas passiert.

Ähnlich Arges in Sachen Bildungspolitik, die Forcierung zur Akademisierung ist bekannt, aber warum werden von der Berufsberatung regelmäßig die schwächsten Schulabgänger ins Friseurhandwerk vermittelt?

In der Schweiz und in Österreich gab es in der Vergangenheit ähnliche Missstände, aktuell zeigt sich: dort stattfindende Kontrollen mit Zoll, Ordnungsamt und Finanzbehörden verzeichnen Trefferquoten nahe der 100% Marke. Bei uns führen fehlende Kontrollen in allen Bereichen immer noch zu weiterem Missbrauch, damit sollte Schluss sein, so die Forderung unter www.friseure-fordern-fairness.de

Die Hintergründe

Von der Öffentlichkeit fast unbemerkt, hat sich im Friseurhandwerk in den letzten 20 Jahren ein erschreckender Wandel vollzogen. Es begann zur Jahrtausendwende mit einer repräsentativen Verbraucherumfrage des IKW (* 4 Diese Studie deckte schonungslos Mängel auf, die 1998/99 zur Stagnation der Umsatzzahlen im Friseurhandwerk geführt hatten.

  • Zum einen hatten die Friseure Konkurrenz aus benachbarten Branchen bekommen. Freizeit, Technik und Wohnen waren wachsende Märkte, - während es Unzufriedenheit beim Friseurbesuch gab.
  • 59 % der Verbraucher bemängelten das Ergebnis des Friseurbesuchs (Frisurenstyling)
  • 69 % der Kunden forderten Preistransparenz beim Friseur und klare Preisangaben.

Es reicht!

Die nachfolgend, über drei Jahre angelegte, Imagekampagne „Friseur in Action“ stieß bei den Friseuren auf wenig Resonanz, es änderte sich kaum etwas. Gedanken machten sich andere: findige Kaufleute schufen neue Friseurangebote

Auf die, ohnehin in der Kritik stehende, Dienstleistung Styling (aufdrehen oder föhnen) wurde verzichtet. Ab sofort mussten Kunden ihre Haare selbst föhnen. Der hierdurch reduzierte Preis lockte die Kunden vom bisherigen Stammfriseur in die neuen Discountbetriebe. Viele Kunden kündigten Ihren Stammfriseuren nach der Einführung des Euro die Treue, weil vielfach eine dringend notwendige Preisangleichung in die Umrechnung zum Euro integriert wurde ohne dieses zu kommunizieren.

Die Zahl der Discounter wuchs rasant, was bedeutet, dass der einzelne Friseursalon (und das traf die herkömmlichen Friseure) immer weniger Kunden zur Verfügung hatte. Ihnen fehlte plötzlich der notwendige Umsatz. Notgedrungen mussten Mitarbeiter freigestellt werden.

Es reicht!

Fakten für den Zeitraum 2000 bis 2009

19.5% Umsatzverlust führten zu einem Rückgang von 22,6 % Rückgang der Beschäftigten. Zeitgleich drängten 22,5 % neue Salons in den schrumpfenden Markt

In den Jahren von 2000 bis 2009 wurden22,6% der Mitarbeiter freigestellt, was bedeutet, das geschätzte 45.000 Friseur/innen arbeitslos wurden. (ausgehend von der letzten Handwerkszählung 1996 mit 256.000 Vollzeitbeschäftigten)

Die „Agentur für Arbeit“ reagierte mit Fördermaßnahmen in Form von finanziellen Hilfen zur Existenzgründung und ICH-AG’s. So kam es zu der fatalen Situation, dass trotz des dramatischen Umsatzrückgangs in dieser Zeit, 22,5% neue Betriebe in den Markt gedrängt wurden.

Es reicht!

Ein wirtschaftliches Schreckensszenario, welches bis heute anhält, wie der Betriebsvergleich Wella Eva Paneel deutlich zeigt:

  1998 2018
Betriebsstätten im Friseurhandwerk 63.427 80.874
Durchschnittliche Kundenzahl pro rechnerischer Vollkraft / Tag (Damen) 5,9 3,7
Durchschnittliche Kundenzahl pro rechnerischer Vollkraft / Tag (Herren) 11,9 3,2
Gewinn (vor Steuer) alle Betriebsgrößen 1999 19,9 % 17,8 %

Trotz deutlich gestiegener Kosten (besonders im Personal und Energiesektor) sind die Umsätze in diesen zwei Jahrzehnten von 19,9 auf 17,8 % gesunken. Das wird im Detail tragisch.

34.410 der steuerzahlenden Friseurunternehmen kommen lt. EVA Betriebsvergleich nicht über einen Jahresumsatz von 100.000 € hinaus. Die Verteilung der Umsatzgröße ist wie folgt: (Quelle: Wella / Coty)

Es reicht!

Im Klartext: diese über 60 % der Unternehmer müssen sich zudem mit mageren 9,3 % Gewinn zufriedengeben. Das bedeutet für den Unternehmer einen Bruttolohn, der deutlich hinter dem, der Mitarbeiter zurückbleibt.

Es reicht!

 

Es stellt sich die Frage: wie soll das weitergehen?

Selten haben sich so tolle Perspektiven für jungen Menschen im Friseurmarkt eröffnet, wie zur Zeit. Auf Grund der Nachfrage steigen die Löhne, der Verbrauchertrend marschiert in Richtung Wohlfühlen, Wellness und Schönheit, das Friseurhandwerk braucht viele junge Menschen und will diese auch gut bezahlen. Dieses ist mit solchen Umsätzen nicht realisierbar.

Die Ergebnisse der Unternehmen sind geprägt durch Preiskampf, verzerrten Wettbewerb und zu viele Betriebe, die zudem unfair und nicht gesetzeskonform im Markt agieren. Eine gesunde Entwicklung ist SO nicht möglich.

„Die 10,- € Friseure leben ja auch“, entgegnen viele Verbraucher und vermuten Preiswucher auf der Gegenseite. Fakt ist: Friseurbetriebe sind Handwerksbetriebe, die mit einem Stundensatz von unter 50-60 € wirtschaftlich nicht überleben können. Letztlich ist es egal, wie diese 60 € pro Stunde in die Kasse kommen, mit 2 Kunden a 30 € oder mit 6 Kunden a 10,- €.

Mitarbeiter in Discountbetrieben klagen immer wieder über Massenabfertigung, über Burn Out und unzumutbare Arbeitsbedingungen. Die preiswerten Dienstleistungen sind den Erfordernissen zum Kosten sparen angepasst. Mitarbeiter besuchen „Schnell-Schnitt-Kurse“ oder beherrschen nur eine kleine Anzahl vorgegebener Haarschnitte. Tätigkeiten, die mehr Beratung oder Zeitaufwand erfordern, werden gar nicht erst angeboten.

Während im herkömmlichen Salon die Typoptimierung des Menschen im Zenit der Arbeit steht, ist es im Discountbereich der Druck, mit kleinen Preisen ebenso viel erwirtschaften zu müssen wie die etwas höherpreisigen Mitbewerber.

Trotz dieses harten Verdrängungswettbewerbes wachsen ständig neue Salons wie Pilze aus dem Boden, vielfach mit Ausnahmegenehmigungen, die nicht einmal mehr den gesetzlich verlangten Meister im Salon erfordern.

Branchenkenner reden von chaotischen Zuständen, von immer mehr unterlaufenen Regelungen und Gesetzesverstößen. Im Friseur Handwerk herrschen langsam anarchistische Zustände. Es fallen Salons auf, die nicht einmal eine Gewerbeerlaubnis besitzen, keinen Meister haben und Mitarbeiter, die nicht gemeldet sind. Bei der HWK gemeldet wird der Betrieb angeschrieben und beschafft sich einen Meister (auf dem Papier) und darf weitermachen. Das zuvor über langen Zeitraum keinerlei Steuern und Sozialabgaben abgeführt aber Straftatbestände erfüllt wurden, das interessiert niemand – nicht einmal das Finanzamt.

 

(* 1 Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks
( *2 Wella EVA Betriebsvergleich 2019
(* 3 Wella EVA Betriebsvergleich 2019 / EVA Basic 1998/1999 bis 2001
(* 4 Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel e. V.
 

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Diesen Artikel haben wir am 23.08.2019 hinzugefügt
 
 
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